Freitag, 11. Juli 2014

Beruf & Berufung

Am Anfang war es nur eine naive Fantasie - den Job aufgeben und endlich meiner eigentlichen Leidenschaft nachzugehen und damit (hoffentlich) Geld zu verdienen. Also die Berufung zum Beruf zu machen. Die Fantasie blieb ein Gedankenkonstrukt, zu unmöglich und unwahrscheinlich schien das Ganze.

Doch das Thema begann sich immer mehr aufzudrängen, in den Medien wurde es plötzlich omnipräsent: Im Bund online gibt es einen Blog zum Thema, zahlreiche Bücher werden veröffentlicht. Gekauft habe ich mir zum Beispiel das Buch von Catharina Bruns "Work is not a Job". Die darin enthaltenen Zitate - hier einige Highlights - brachten mich nun endgültig in das Hamsterrad des Nachdenkens. Obwohl: Das ganze "wer-bin-ich-und-was-will-ich-eigentlich-Thema" scheint offenbar ein Problem meiner Generation zu sein (ich stamme aus der 1986-er Produktionsreihe), so hat jedenfalls der Austausch zu diesem Thema mit gleichaltrigen ergeben. Generation Y nennen uns Soziologen - verwöhnt, arbeitsscheu, unverbindlich und unfähig zu akzeptieren das man im Leben auch arbeiten muss und dass Arbeit keinen Spass machen muss - nennen uns wohl einige Vertreter der älteren Generationen.

Tatsächlich konnte ich nicht akzeptieren, dass Arbeit keinen Spass machen soll. Der Wunsch mich Selbstständig zu machen wurde immer stärker und
 liess sich nicht mehr länger verdrängen. Also habe ich mich entschlossen, das erste Mal in meinem Leben ein Risiko einzugehen und auf ein fixes monatliches Einkommen zu verzichten, um endlich Spass in meinem Beruf zu haben.

Somit betätige ich mich nun als CEO, CFO, Produktions-, Einkaufs-, Verkaufs- und Logistikleiterin der GESCHMACKSMANUFAKTUR und produziere in meiner heimischen Manufaktur kleine, feine und handgemachte Produkte wie zum Beispiel Pesto und Pasta.


Seit etwa einen Monat bin ich nun also selbstständig und folge meiner Berufung. Ob es funktionieren wird? Die Zeit wird es zeigen. Ich wünsche es mir. Denn auch wenn die oft gehörte Definition von Selbstständigkeit (selbst & ständig) tatsächlich einen grossen Wahrheitsgehalt hat, möchte ich die Flexibilität und Freiheit nicht mehr missen. Und ja, auch ein mir bis anhin nicht bekanntes Gefühl spielt nun auch eine Rolle: Existenzangst. Kein gesichertes Einkommen mehr, keine Gewissheit darüber, dass man Ende des Monats genug liquide Mittel haben wird um die Miete zu bezahlen. Aber ich habe mir sagen lassen, dass man lernen kann damit umzugehen.

Somit halte ich mir immer wieder das Zitat aus dem bereits erwähnten Buch (Work is not a Job) vor Augen: "Fear can't be the driving force". Für die Nicht-Anglizisten unter euch: "Angst kann nicht die treibende Kraft sein".


In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein schönes, furchtloses Wochenende.


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